Alpe d’Huez feiert riesige Open-Air-Party bei der Tour de France

Begeisterung in Alpe d’Huez
Die Tour de France hat auf ihrer 19. Etappe das Radsport-Mekka Alpe d’Huez in eine riesige Open-Air-Party verwandelt. Mehr als eine halbe Million Radsport-Fans säumten den legendären Schlussanstieg mit seinen 21 Serpentinen. Der deutsche Radprofi Michel Heßmann beschrieb die Atmosphäre als „Abenteuer, unfassbar“, während Tadej Pogacar von einer „verrückten Stimmung“ sprach. Tausende Fans übernachteten in Zelten und Wohnwagen entlang der Strecke, wo teilweise eine Stimmung wie im Megapark auf Mallorca herrschte.
Besonders auffällig war die Kurve sieben, traditionell bekannt als „Dutch Corner“. Dieses Mal waren es jedoch die dänischen Fans, die für Aufsehen sorgten. Heßmann bemerkte, dass die Dänen „unfassbar laut“ und „unfassbar betrunken“ waren, was er ihnen jedoch gönnte und als „richtig cool“ empfand. Auch viele deutsche Fans waren mit „Ulle“-Pappschildern am Streckenrand präsent. Trotz der langen Geschichte der Tour de France in Alpe d’Huez, die 74 Jahre nach der ersten Bergankunft dort noch keinen deutschen Sieger hervorbrachte, bleibt die Begeisterung ungebrochen.
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Pogacars Erfolg und Herausforderungen
Tadej Pogacar sicherte sich den Sieg auf der 19. Etappe von Gap nach Alpe d’Huez. Er trat zwölf Kilometer vor dem Ziel aus einer Verfolgergruppe an und überholte alle vor ihm liegenden Fahrer. Dies war sein fünfter Etappensieg bei der diesjährigen Tour de France. In der Gesamtwertung baute der viermalige Tour-Gewinner seinen Vorsprung auf Remco Evenepoel aus.
Nach seinem Sieg äußerte sich Pogacar zufrieden: „Es ist cool, hier zu gewinnen. Eine verrückte Atmosphäre den Berg hoch.“ Er stellte zudem einen Rekord auf, indem er den Anstieg mit den 21 Kehren in 35:26 Minuten bewältigte. Damit war er 1:24 Minuten schneller als Marco Pantani im Jahr 1995. Trotz des Erfolgs muss Pogacar sein Bergtrikot an den Ecuadorianer Richard Carapaz abgeben.
Eine Besonderheit bei Pogacars Auftritt war seine schwarze Hose, die er trotz des Gelben Trikots trug. Spekulationen zufolge könnte dies mit einem Magen-Darm-Virus zusammenhängen, der im Feld kursiert und auch sein Team UAE Emirates betrifft. Fahrer wie Brandon McNulty, Adam Yates und Tim Wellens waren oder sind von Unwohlsein betroffen. Pogacar selbst zeigte sich optimistisch und meinte, es sei wahrscheinlicher, sich bei einem anfeuernden Fan anzustecken als im Team.
Das Team setzt auf Schutzmaßnahmen wie das Essen auf dem Zimmer für unwohl fühlende Fahrer, Händedesinfektion und Masken. Teamchef Matxin Fernández lobte Pogacar als „unglaublichen Jungen, unglaublichen Anführer, unglaublichen Champion“ und zeigte sich stolz auf die Leistung des Teams angesichts der Krankheitswelle. Adam Yates, der ebenfalls betroffen war, konnte Pogacar auf den letzten 1500 Metern der Etappe noch unterstützen.
Ausblick auf die kommenden Etappen
John Degenkolb berichtete nach dem Zieleinlauf von einer „Gänsehaut“ und bezeichnete die Stimmung und Atmosphäre als „die Spitze von allem“. Er erklärte, dass dies mit nichts zu vergleichen sei und er, obwohl er wahrscheinlich zum letzten Mal selbst im Rennen hochgefahren ist, dabei sein werde, wenn die Tour wieder in Alpe d’Huez vorbeikommt. Mit 37 Jahren nähert sich seine Karriere dem Ende.
Für Pogacar steht der Sieg in Alpe d’Huez vor seinem fünften Tour-Sieg. Er hat nun 26 Tour-Etappensiege in seiner Karriere erreicht, womit nur noch Mark Cavendish, Eddy Merckx und Bernard Hinault in der Rekordliste vor ihm liegen. Die nächste Herausforderung ist die Königsetappe am Samstag, die erneut nach Alpe d’Huez führt, jedoch über eine andere Route und eine deutlich schwerere Anfahrt, einschließlich des Col de la Croix de Fer und des Galibier.
Am Samstagabend soll der Sieger der Tour feststehen, die am Sonntag in Paris endet.
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Source: sueddeutsche.de