Le Court gewinnt 6. Etappe der Frauen-Tour, Lippert wird Sechste

Le Court siegt in Tournon-sur-Rhône
Kim Le Court (AG Insurance – Soudal – Quick-Step) hat die 6. Etappe der Tour de France Femmes gewonnen. Auf dem 153,4 Kilometer langen Teilstück von Montbrison nach Tournon-sur-Rhône setzte sich Le Court im Sprint einer achtköpfigen Spitzengruppe durch. Die Französin Cédrine Kerbaol (EF Education – Oatly) belegte den zweiten Platz, gefolgt von der Niederländerin Puck Pieterse.
Die deutsche Fahrerin Liane Lippert (Movistar) erreichte als beste deutsche Teilnehmerin den sechsten Platz. Die Favoritinnengruppe um das Gelbe Trikot kam mit einem Rückstand von 28 Sekunden ins Ziel, was keine Veränderungen an der Spitze der Gesamtwertung vor der morgigen Königsetappe zum Mont Ventoux zur Folge hatte.
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An der Spitze der Gesamtwertung liegt weiterhin die Schweizerin Marlen Reusser (Movistar), zwölf Sekunden vor der Niederländerin Demi Vollering (FDJ United – Suez). Die Polin Kasia Niewiadoma (Canyon – SRAM) behauptet den dritten Rang mit einem Rückstand von 1:17 Minuten. Elisa Longo Borghini (UAE – L’Imad), die Teil der Ausreißergruppe war, rückte auf den vierten Platz vor und liegt nun 2:28 Minuten zurück, wodurch Antonia Niedermaier (Canyon – SRAM) auf den fünften Platz verdrängt wurde.
Niedermaier behielt jedoch ihr Weißes Trikot, während Pieterse das Gepunktete Trikot der besten Bergfahrerin verteidigte. Lorena Wiebes (SD Worx – Protime) führt weiterhin die Punktewertung an.
Etappenverlauf und taktische Manöver
Die sechste Etappe begann wie der Vortag mit einem Anstieg kurz nach dem Start. An der ersten von sechs Bergwertungen sicherte sich Pieterse die maximalen zwei Punkte an der Côte de Périgneux (4. Kat.). Anschließend ging Loes Adegeest (Lidl – Trek) in die Offensive und erhielt kurz darauf Begleitung von Nikola Nosková (Cofidis) und Katrine Aalerud (Uno-X Mobility).
Das Trio erarbeitete sich einen Vorsprung von über zweieinhalb Minuten, wobei Nosková die nächsten beiden Bergpreise gewann. An der Côte d’Aurec (3. Kat.) erhöhte Vollering mit ihrer Teamkollegin Célia Gery das Tempo, was zu einer Verkleinerung des Feldes führte. Anna van der Breggen (SD Worx – Protime) hatte dabei Schwierigkeiten und verlor später den Anschluss.
Aalerud gewann den Zwischensprint, während Wiebes hinter der gestürzten Noemi Rüegg (EF Education – Oatly) 13 Punkte für ihr Grünes Trikot sammelte. An der Côte de Praneuf (4. Kat.) war erneut Nosková vorne, während im Feld die Teams von Pieterse, EF Education und SD Worx das Tempo forcierten.
Der Abstand zur Spitzengruppe sank auf etwa 30 Sekunden, bevor Nosková, Aalerud und Adegeest am Anstieg zum Col de Lalouvesc (2. Kat.) vom Feld eingeholt wurden. Pieterse sicherte sich den Bergpreis, und in der langen Abfahrt setzte Lokalmatadorin Gery immer wieder Druck. Die Französische Meisterin konnte sich 34 Kilometer vor dem Ziel absetzen und erhielt kurz darauf Begleitung von Kerbaol, Pieterse, Lippert, Longo Borghini und Sarah van Dam (Visma – Lease a Bike).
Im schnell schrumpfenden Feld arbeitete Niedermaier für ihre Teamkollegin Niewiadoma, um die Lücke zu schließen. Diese blieb jedoch bei etwa einer halben Minute, da Longo Borghini an der Spitze ein hohes Tempo vorgab. 16 Kilometer vor dem Ziel holte sich Pieterse auch den letzten Bergpreis.
Aus der nun etwa 20-köpfigen Favoritinnengruppe setzten sich kurz darauf Riejanne Markus (Lidl – Trek) und Le Court ab. Sie schlossen kurz vor dem Bonussprint, neun Kilometer vor dem Ziel, zur Spitze auf. Le Court sicherte sich auch die sechs Bonussekunden vor Longo Borghini.
Die Gruppe um das Gelbe Trikot wurde von Vollering angeführt, die dafür sorgte, dass der Rückstand von 40 Sekunden in der finalen Abfahrt fast halbiert wurde. Aus der uneinigen Spitzengruppe attackierte Le Court vier Kilometer vor dem Ziel, doch Longo Borghini führte die Verfolgerinnen einen Kilometer später wieder heran. Die Italienerin holte auch die attackierende Markus ein, die jedoch kurz vor dem Teufelslappen erneut angriff, aber nicht wegkam. Rund 300 Meter vor dem Ziel zog Le Court ihren Sprint an und setzte sich knapp vor Kerbaol und Pieterse durch. Lippert belegte hinter van Dam und Gery den sechsten Platz, vor Longo Borghini.


Blick auf den Mont Ventoux
Die morgige Etappe führt die Fahrerinnen zum Mont Ventoux, einem Berg, der in der Geschichte des Radsports eine besondere Rolle spielt. Der 1910 Meter hohe „Riese der Provence“ ist bekannt für seine steilen Rampen mit bis zu 15 Prozent Steigung. Er gilt als Schicksalsberg, an dem sich bereits tragische Ereignisse und legendäre Duelle abspielten.
Die deutsche Meisterin Franziska Koch äußerte sich zum Wachstum des Frauenradsports und betonte, dass auch Frauen große Berge bezwingen können, wie sie dieses Jahr am Angliru gezeigt hätten. Koch selbst fuhr den Mont Ventoux bereits mit dem Mountainbike hinauf, als sie 16 oder 17 Jahre alt war, und erinnerte sich an einen sehr langen Anstieg.
Für Antonia Niedermaier, die in der Gesamtwertung eine vordere Platzierung einnimmt, ist der Mont Ventoux Neuland. Sie kennt den Berg hauptsächlich von ihrem Analyse-Tool. Der Mont Ventoux war Schauplatz der Tragödie um Tom Simpson im Jahr 1967, der drei Kilometer vor dem Ziel entkräftet vom Rad fiel und später verstarb. Ein Gedenkstein erinnert an ihn 1,5 Kilometer vor dem Ziel.
Auch Lance Armstrong und Marco Pantani lieferten sich im Jahr 2000 ein Kletterduell am Mont Ventoux. Chris Froome erlebte 2016 einen Sturz durch ein TV-Motorrad 1,2 Kilometer vor dem Ziel, bei dem der Rahmen seines Rennrads brach, und musste einen unfreiwilligen Berglauf absolvieren, bevor er ein Ersatzrad erhielt. Die Rennleitung entschied später, dass die Abstände zum Zeitpunkt des Sturzes genommen wurden. Die morgige Etappe wird zeigen, welches Kapitel die Premiere bei der Frauen-Tour an diesem mythischen Berg schreiben wird.
Source: radsport-news.com