Montréal: Absagen von Top-Spielern werfen Fragen zur Masters-Serie auf

Debatte um den Turnierkalender
Die Diskussionen über den Umfang und die Gestaltung des Turnierkalenders auf der ATP Tour halten seit Jahren an. Diese Debatte erhält neue Impulse vor dem Beginn des kanadischen Masters in Montréal, da Jannik Sinner, Novak Djokovic und Carlos Alcaraz ihre Teilnahme abgesagt haben. Dies wird als kein gutes Zeichen für das Turnier und den Tennissport im Allgemeinen gewertet.
Der ehemalige Wimbledon-Halbfinalist Sam Querrey äußerte sich provokant im Podcast „Nothing Major“ und fragte, ob die Canadian Open ein 12-tägiges Turnier ohne diese drei Spieler einem 7-tägigen Turnier mit ihnen vorziehen würden. Er lieferte die Antwort gleich mit, indem er vermutete, dass sich die Verantwortlichen für die längere Version entscheiden würden, da das Hauptinteresse darin liege, TV-Übertragungsrechte für 12 Tage zu verkaufen.
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Seit 2025 wird das kanadische Masters, das abwechselnd in Montréal und Toronto stattfindet, über 12 Tage mit einem Feld von 96 Startern ausgetragen. Bereits bei der Premiere im vergangenen Jahr sagten die genannten Superstars ab. Die drei größten Namen im ATP-Zirkus verzichten somit auf die Chance auf 1000 Ranking-Punkte und Prestige.
Gründe für die Absagen
Für einige Top-Spieler passen das erweiterte Format und die Terminierung nicht mehr in ihre Planung. Das Turnier findet vier Wochen vor den US Open und direkt vor dem nächsten Masters in Cincinnati statt. Jannik Sinner begründete seine Absage damit, dass es die richtige Entscheidung sei, seiner Gesundheit Vorrang zu geben. Er habe mit seinem Team alle Faktoren sorgfältig abgewogen und sei zu dem Schluss gekommen, abzusagen.
Dies ist bemerkenswert, da Sinner in diesem Jahr eine historische Siegesserie gestartet und alle bisherigen Masters-Turniere wie Indian Wells, Miami, Monte-Carlo, Madrid und Rom gewonnen hat. Sein freiwilliger Verzicht, diesen Lauf zu unterbrechen, spricht Bände über die Belastung.
Die Turnierdirektorin Valérie Tétreault äußerte Verständnis für die Entscheidungen der Spieler und betonte, dass bei einem anspruchsvollen Spielplan die Gesundheit der Spieler oberste Priorität haben müsse. Gleichzeitig merkte sie an, dass die Häufigkeit solcher kurzfristigen Absagen in den letzten Jahren ein allgemeineres Problem für den Sport darstelle. Die Masters-Turniere seien „Flaggschiff-Turniere der Tour“, und die Fans erwarteten zu Recht, die weltbesten Spieler gegeneinander antreten zu sehen.
Novak Djokovic kritisierte die längeren Masters-Turniere ebenfalls. Er befand während der US Open im letzten Jahr, dass ihm die zweiwöchigen Masters-Turniere keinen Spaß mehr machen würden. Die ATP hat die Teilnahme an allen Masters-Wettbewerben, mit Ausnahme von Monte-Carlo, verpflichtend gemacht. Immer mehr dieser Turniere wurden von 7 Tagen mit 56 Profis auf 12 Tage mit 96 Spielern erweitert. Nur noch Monte-Carlo und das Masters in Paris werden im Ein-Wochen-Format ausgetragen.
Djokovic profitiert von Ausnahmeregelungen, die eine Masters-Absage ohne Konsequenzen ermöglichen. Wer mindestens 31 Jahre alt ist, 12 Jahre auf der Tour spielt oder 600 Matches bestritten hat, darf in der Saison ein Masters auch ohne triftigen Grund absagen. Sind wie bei Djokovic alle drei Kriterien erfüllt, besteht überhaupt keine Verpflichtung mehr. Für die meisten Profis gelten diese Ausnahmen jedoch nicht.


Auswirkungen und Ausblick
Die Absagen der Top-Spieler haben zur Folge, dass Alexander Zverev als Top-Favorit in das Masters 1000-Event in Kanada geht. Das Turnier findet vom 2. bis 13. August 2026 im IGA Stadium in Montréal statt. Zverev, der auf Rang eins der Setzliste steht, steigt erst in der zweiten Runde ein und hat in der ersten Runde ein Freilos. Weitere Favoriten sind Felix Auger-Aliassime, Alex de Minaur, Daniil Medvedev, Ben Shelton, Flavio Cobolli und Taylor Fritz.
Das Turnier wird nicht im Free-TV übertragen; eine Verfolgung ist über ein kostenpflichtiges Sky-Abo oder WOWTV möglich. Im vergangenen Jahr war das Turnier mit rund 9,2 Millionen US-Dollar dotiert, und für 2026 wird ein ähnliches Preisgeld erwartet. Der Gewinner könnte etwa 1,1 Millionen US-Dollar erhalten.
Der Masters-Kalender könnte mittelfristig noch voller werden. Die ATP kündigte im Oktober 2025 an, ab 2028 ein weiteres Hartplatz-Masters in Saudi-Arabien zu etablieren. Nach Montréal beginnt ab dem 13. August das US-Masters in Cincinnati, für das Sinner und Djokovic gemeldet haben, während Alcaraz dort nach einer Handgelenksverletzung sein Comeback anstrebt.


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Source: eurosport.de