Birmingham: Ansah holt historische EM-Bronze über 100 Meter

Historische Medaille für Deutschland
Owen Ansah hat bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Birmingham eine Bronzemedaille über 100 Meter gewonnen. Mit einer Zeit von 10,19 Sekunden sicherte sich der deutsche Sprinter den dritten Platz. Dieser Erfolg markiert die erste deutsche EM-Medaille über diese Distanz seit 40 Jahren, was eine besondere Leistung für die deutsche Leichtathletik darstellt.
Ansah äußerte sich nach dem Rennen glücklich über seinen Erfolg und betonte, dass es sein Ziel gewesen sei, eine Medaille zu gewinnen. Er beschrieb das Gefühl, der drittschnellste Mann Europas zu sein, als „verrückt“ und etwas, das er erst noch realisieren müsse. Trotz eines nicht perfekten Starts aus dem Block zeigte Ansah einen starken Endspurt und überholte auf den letzten Metern noch Konkurrenten, um sich die Bronzemedaille zu sichern.
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Die Briten feierten einen Doppelsieg bei diesem Rennen: Romell Glave gewann Gold mit 10,09 Sekunden, gefolgt von Jeremiah Azu, der Silber mit 10,16 Sekunden holte. Ansah, der als Langsamster aus dem Startblock kam, konnte seine Geschwindigkeit im Verlauf des Rennens steigern und zog schließlich noch an Elvis Afrifa aus den Niederlanden vorbei.


Hintergrund der Dopingvorwürfe
Der Erfolg von Owen Ansah wird jedoch von einem laufenden Verfahren überschattet. Ihm wird vorgeworfen, am 9. Juli die Abgabe einer Dopingprobe verweigert zu haben. Die Nationale Anti-Doping Agentur (Nada) hat ein Verfahren eingeleitet und fordert eine Sperre von vier Jahren. Ansah bestreitet die Vorwürfe vehement. Sein Anwalt, Tarek Cherkeh, erklärte, dass sein Mandant zu keinem Zeitpunkt die Durchführung einer Dopingkontrolle verweigert oder die Abgabe einer Probe abgelehnt habe.
Nach Ansahs Darstellung klingelte der Kontrolleur außerhalb des von ihm angegebenen Zeitfensters. Er habe unter Zeitdruck gestanden, da er zum Flughafen musste, um zu einem Diamond League Meeting in Monaco zu reisen, und kurz zuvor die Toilette besucht hatte. Diese Umstände sind Teil seiner Verteidigung gegen die Anschuldigungen.
Der Fall wird in erster Instanz vor dem Deutschen Sportschiedsgericht (DIS) verhandelt. Sollte Ansah freigesprochen werden, behalten alle seine Ergebnisse ihre Gültigkeit. Im Falle einer Strafe würden jedoch alle Ergebnisse ab dem 9. Juli, entsprechend der Dauer der Sperre, aberkannt. Eine einmonatige Sperre würde das EM-Ergebnis retten, während eine längere Sperre zur Aberkennung der Medaille führen würde.


Ansahs Umgang mit dem Druck
Trotz der Belastung durch die Dopingvorwürfe zeigte sich Ansah auf der Bahn unbeeindruckt. Schon bei den Deutschen Meisterschaften trat er mit dem Wissen an, dass seine Medaillen bei einer rückwirkenden Sperre verloren gehen könnten, und gewann dort Gold über 100 und 200 Meter. Auch in Birmingham gelang es ihm, alle Nebengeräusche auszublenden und sich auf seine Leistung zu konzentrieren.
Ansah betonte, dass er sich auf die Dinge konzentriere, die er beeinflussen könne, nämlich schnell zu laufen. Alles andere liege nicht in seiner Hand. Er äußerte sich dankbar für den Zuspruch, den er aus Deutschland erhalten habe, und widmete die Bronzemedaille auch den Menschen, die hinter ihm stehen. Seine Konzentration auf das „Hier und Jetzt“ half ihm, im entscheidenden Moment seine Bestleistung abzurufen.
Da bisher keine vorläufige Suspendierung ausgesprochen wurde, ist Ansah in Birmingham weiterhin startberechtigt. Er plant, auch über die 200 Meter an den Start zu gehen. Für die Staffeln wird er vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) vorsorglich nicht aufgestellt. Ansahs Motto in diesen Tagen lautet: „Glaub an Dich, zieh durch“ und „Vertraue auf Deine Stärken“. Er möchte mit dem gleichen Selbstbewusstsein über die 200 Meter antreten, eine Distanz, die ihm nach Aussage seines Trainers mehr liegt.


Im Halbfinale der 100 Meter hatte Ansah zuvor souverän den Endlauf erreicht, indem er seinen Lauf gemeinsam mit dem späteren Sieger Azu auf den letzten Metern austrudeln ließ und in 10,20 Sekunden Zweiter wurde.
Source: bild.de