UEFA erwägt Strafverfahren gegen FIFA-Boss Infantino wegen Investorendeals

UEFA will Strafverfahren gegen FIFA-Boss Infantino

UEFA bereitet rechtliche Schritte vor

Die UEFA bereitet rechtliche Schritte gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino vor. Hintergrund sind Vorwürfe der ungetreuen Geschäftsbesorgung im Zusammenhang mit einem gescheiterten Investorenmodell für die WM-Vermarktung. Die europäischen Fußball-Funktionäre streben ein Strafverfahren gegen Infantino und möglicherweise weitere Funktionäre an.

Ein 60-seitiges Dokument, das bei einem Distriktgericht im US-Bundesstaat Florida eingereicht wurde, fordert die FIFA und beteiligte Finanzinstitute zur Herausgabe von Unterlagen auf. In diesem Dokument werden zahlreiche Vorwürfe des Fehlverhaltens gegen Infantino erhoben, die über den Streit um den Verkauf von WM-Anteilen hinausgehen.

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Die UEFA erwägt ein Schweizer Strafverfahren gegen Infantino und mögliche weitere FIFA-Funktionäre wegen strafbarer Misswirtschaft gemäß Artikel 158 des Schweizer Strafgesetzbuches. Im Falle einer Verurteilung könnte Infantino laut UEFA sogar eine Haftstrafe drohen. Das Verfahren würde in der Schweiz, dem Sitz der FIFA, stattfinden, während der Weg über die US-Justiz formale Gründe hat, da die Rechtsabteilung der FIFA in Florida ansässig ist.

Im Fürstentum Monaco informierte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin die 55 nationalen Fußballverbände über die nächsten Schritte. Für den DFB waren Präsident Bernd Neuendorf und Hans-Joachim Watzke, als Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees, bei der Sitzung anwesend.

Hintergrund des Konflikts

Infantino hatte versucht, ein milliardenschweres Investorenmodell für die WM-Vermarktung unter Umgehung der FIFA-Gremien zu implementieren. Dafür legte er konkrete Pläne mit US-Geldgebern vor. Dies führte zu massiven Protesten, insbesondere aus dem europäischen Fußball-Führungszirkel. Infantino musste seine Pläne daraufhin zurückziehen und lehnte Forderungen nach seinem Rücktritt ab.

Die UEFA hatte Anfang August ihre Bedingung für eine Rückkehr zu FIFA-Wettbewerben formuliert: Es müsse sichergestellt werden, dass derartige Versuche, den Fußball zu entstellen, niemals wieder unternommen werden. Eine solche Zusicherung hatte die FIFA beim Rückzug des Investorenplans zunächst nicht gegeben, holte sie aber nach, als ein Boykott drohte.

Ein 56-seitiges Dokument, das der britischen Presseagentur AP vorliegt, enthält Erklärungen der UEFA-Anwälte. Darin wird die Summe von 4,2 Milliarden US-Dollar, die von Investoren wie Thrive Capital Management bereitgestellt werden sollte, als ein „betrügerisch festgelegter, vom Markt abgekoppelter Preis“ bezeichnet, den Infantino zu seinem eigenen Vorteil propagiert haben könnte.

Credit: web.de

Die UEFA reichte am Donnerstag bei einem Gericht in Manhattan Unterlagen ein, um die Offenlegung potenzieller Beweismittel durch den New Yorker Investmentfonds Thrive Capital Management zu beantragen. Dieser Fonds wurde von Joshua Kushner gegründet, der zusammen mit Thrive als Hauptinvestor vorgesehen war. Sie sollten der FIFA 4,2 Milliarden US-Dollar zur Verfügung stellen und im Gegenzug eine 20-Prozent-Beteiligung an der Tochtergesellschaft erhalten, die unter anderem die Weltmeisterschaften betreuen sollte.

Infantinos Position und die bevorstehende Wahl

Gianni Infantino plant, sich am 18. März 2027 zum vierten Mal zum FIFA-Chef wählen zu lassen. Unter den 211 stimmberechtigten FIFA-Mitgliedsländern gibt es derzeit keine klare Mehrheit für oder gegen ihn. Ein Alternativkandidat konnte von der UEFA bisher nicht benannt werden. Offenbar soll die Personalie nun von Gerichten geklärt werden.

Die UEFA fordert weiterhin Infantinos Rückzug, obwohl die FIFA eine Zusage in einem „privaten Schreiben“ gegeben hat, keinen zweiten Investorenplan zu verfolgen. Diese Zusage hat den lautesten Vorwurf gegen Infantino ausgeräumt, ohne ihn selbst zu berühren. Der eigentliche Konflikt um die Machtfrage bleibt jedoch bestehen und wurde in den Kalender verschoben, mit der Wahl im März 2027 als entscheidendem Datum.

Credit: web.de

Das Vorgehen der UEFA erinnert an den Sturz von Infantinos Vorgänger Joseph Blatter im Jahr 2015. Blatter trat sein Amt nach Ermittlungen der US-Justiz in zahlreichen Fällen auf. Die UEFA attackiert Infantino nun frontal, während die FIFA einen Plan geopfert und ihren Präsidenten gerettet hat.

Am Mittwoch teilte der polnische Verband auf SID-Anfrage mit, dass die Vorbereitungen für die U20-WM der Frauen ab dem 5. September planmäßig verlaufen und es keinerlei Informationen über einen möglichen Rückzug eines der teilnehmenden Teams vom Turnier gebe.

Source: welt.de

Clara Schmitt ist Sportredakteurin und berichtet über Fußball, Sport und aktuelle Ereignisse.