FIFA-Pläne zur WM-Privatisierung lösen internationale Debatte aus

WM: Die wichtigsten Fragen zum Beben in der Fifa: Explodiert jetzt der Welt-Fußball? - BILD

FIFA-Pläne und internationale Reaktionen

Die Pläne des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino, Teile der kommerziellen Rechte an der Weltmeisterschaft an private Investoren zu verkaufen, haben eine weitreichende Debatte im internationalen Fußball ausgelöst. Infantino beabsichtigt, ein noch zu gründendes FIFA-Tochterunternehmen namens „FIFA Forward Enterprise“ (FFE) zu etablieren. Dieses Unternehmen soll alle kommerziellen Rechte und die Turnierorganisation bündeln. Investoren könnten demnach 20 bis 30 Prozent der Anteile erwerben, wobei die FIFA einen Mehrheitsanteil von über 50 Prozent behalten würde. Rund 20 Prozent der Anteile sollen an die 211 Mitgliedsverbände verteilt werden.

Die UEFA, der europäische Fußballverband, hat sich entschieden gegen diese Pläne positioniert. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin (58) äußerte, dass dies eine Grenze überschreite, die der Fußball niemals überschreiten sollte. UEFA-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke (67) bezeichnete die Pläne als „absoluten Angriff auf den Fußball“. Auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf (65) betonte, dass Fußball nicht zum Spielball von Investoren werden dürfe und sah die Gefahr, dass die Weltmeisterschaft nicht mehr alle vier Jahre, sondern jährlich und nur noch in starken Wirtschaftsräumen stattfinden könnte.

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Die UEFA hielt eine Krisensitzung ab, an der auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf teilnahm. Auch der Verband Concacaf, der die Nationen in Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik vertritt, äußerte tiefe Besorgnis über das Fehlen eines ordnungsgemäßen Verfahrens. Der britische Premierminister Andy Burnham (56) sprach sich ebenfalls gegen die Investorenpläne aus und betonte, dass der Fußball den Menschen gehöre, die die Tribünen füllen.

Ein potenzieller Hauptinvestor ist Joshua Kushner (41), der Bruder von Trump-Schwiegersohn Jared (45). Seine Investmentgesellschaft Thrive Capital möchte internationale Staatsfonds als Kapitalgeber gewinnen. Die Bank JP Morgan wird ebenfalls als potenzieller Investor genannt. Die Erlöse aus dem Verkauf sollen bei etwas mehr als vier Milliarden US-Dollar liegen.

Mögliche Konsequenzen und unterschiedliche Ansichten

Ein Austritt der europäischen Nationalverbände aus der FIFA ist gemäß Paragraph 18 der FIFA-Statuten möglich. Jeder Verband müsste seinen Austritt mindestens sechs Monate vor dem 31. Dezember schriftlich beim FIFA-Generalsekretariat erklären. Der frühestmögliche Austrittstermin wäre der 31. Dezember 2027. Bis zum Stichtag müssten alle finanziellen Verpflichtungen gegenüber dem Weltverband beglichen sein. Ein Rückzug von der Teilnahme an FIFA-Wettbewerben bis spätestens 30 Tage vor dem ersten Spiel der WM könnte eine Geldstrafe von mindestens 5 Millionen US-Dollar nach sich ziehen.

Sportliche Sanktionen bei einem Boykott könnten den Ausschluss von zukünftigen FIFA-Wettbewerben, Punktabzüge oder Sperren für Nationalmannschaften und Klubs umfassen. Zudem könnten die FIFA und kommerzielle Partner Schadensersatzansprüche geltend machen. Ausgetretene Nationalverbände wären nicht mehr an das FIFA-Transferreglement gebunden, was zu Chaos auf dem Transfermarkt und zahlreichen Prozessen führen könnte. Die UEFA könnte zudem mit Verbänden aus anderen Kontinentalverbänden, wie beispielsweise Südamerika, einen neuen Weltverband gründen und eigene Turniere wie eine Klub-WM oder eine WM alle zwei Jahre ausrichten.

Die europäischen Topligen mit ihren Stars, der Champions League und der Europameisterschaft sind für TV-Sender und Sponsoren besonders attraktiv. Es wird befürchtet, dass diese ihre Investitionen aus einer ohne Europa unattraktiven FIFA–WM abziehen und stattdessen in ein UEFA-System stecken könnten.

Im Gegensatz zur Ablehnung aus Europa und Nord-/Mittelamerika zeigt sich der afrikanische Fußballverband Confédération Africaine de Football (CAF) offen für die Investorenpläne der FIFA. Die CAF forderte ihre Mitgliedsverbände auf, den Vorschlag zu prüfen und sich am Konsultationsprozess zu beteiligen. CAF-Präsident Patrice Motsepe berief für die kommende Woche eine Sitzung des Exekutivkomitees ein. Die CAF, mit 54 Mitgliedsverbänden, stellt einen großen Stimmenblock innerhalb der FIFA dar und ist der erste Kontinentalverband, der sich den Plänen offen gegenüber zeigt.

Gianni Infantino verteidigte sein Vorhaben und bezeichnete es als Vorschlag und Angebot, das Teil eines demokratischen Konsultationsprozesses sei. Er betonte, es sei eine Chance, keine Verpflichtung. Infantino verspricht höhere Zahlungen an die Mitgliedsverbände und hat den 211 Mitgliedsverbänden eine Frist bis zum 19. September gesetzt, um den Plänen zuzustimmen. Eine einfache Mehrheit der Stimmen der Mitgliedsverbände reicht für die Umsetzung aus. Die norwegische Verbandspräsidentin Lise Klaveness äußerte tiefe Besorgnis über die Entwicklungen in der FIFA und kritisierte mangelhafte Prozesse und fehlende Transparenz. Auch die europäische Spielergewerkschaft Fifpro lehnt die FIFA-Pläne ab, insbesondere wegen des fehlenden Mitspracherechts der Profis.

Die FIFA hatte nicht einmal zwei Wochen nach dem WM-Finale in den USA mitgeteilt, mit dem potenziellen Verkauf eines Teils ihrer kommerziellen Rechte eine Milliardensumme einspielen zu wollen.

Die Rolle der Mitgliedsverbände und die Frist

Die FIFA plant, Anteile der Weltmeisterschaft an private Investoren zu verkaufen, wobei Infantino die Gründung der Tochtergesellschaft FIFA Forward Enterprise (FFE) vorsieht. Er verspricht den Mitgliedsverbänden höhere Zahlungen. In einem Schreiben an die 211 Mitgliedsverbände hat Infantino eine Frist bis zum 19. September gesetzt, um den Plänen zuzustimmen. Für die Umsetzung der Vorhaben ist eine einfache Mehrheit der Stimmen erforderlich, wobei jeder Mitgliedsverband eine Stimme besitzt.

Die Kritik an diesen Plänen kam nicht nur aus Europa, sondern auch von anderen Verbänden. Die Concacaf äußerte Bedenken hinsichtlich des Verfahrens. Die CAF hingegen, mit ihren 54 Mitgliedsverbänden, hat sich offen für die Prüfung des Vorschlags gezeigt und wird sich am Konsultationsprozess beteiligen. CAF-Präsident Patrice Motsepe hat eine Sitzung des Exekutivkomitees für die kommende Woche einberufen.

Die Befürworter der Pläne sehen darin eine einmalige Chance, die weltweite Entwicklung des Fußballs zu beschleunigen. Kritiker hingegen, insbesondere aus Europa, werfen der FIFA vor, die Zustimmung der Mitgliedsverbände mit lukrativen Sonderzahlungen erkaufen zu wollen und dafür bewusst eine knappe Frist gesetzt zu haben. Diese Vorwürfe reichen bis zu Anschuldigungen von Bestechung und einem Ausverkauf des Sports. Infantino selbst hat seine Pläne als Vorschlag und Angebot im Rahmen eines demokratischen Prozesses verteidigt.

Die norwegische Verbandspräsidentin Lise Klaveness hat die Kritik an den Entwicklungen in der FIFA verstärkt, indem sie auf mangelhafte Prozesse und fehlende Transparenz hinwies. Sie betonte die Notwendigkeit einer klaren Distanz zu Staatschefs und externen Interessenten. Der Präsident des spanischen Verbandes La Liga, Javier Tebas, kritisierte Infantino direkt und stellte seine Eignung zur Führung der FIFA in Frage, da er Politik, Disziplin, Geld und Macht ohne Transparenz vermische. Die europäische Spielergewerkschaft Fifpro lehnt die Pläne ebenfalls ab, da sie das fehlende Mitspracherecht der Profis bemängelt. Sie betonte, dass ein Projekt dieser Größenordnung weitgehend hinter verschlossenen Türen entwickelt wurde, ohne die am stärksten Betroffenen einzubeziehen.

Die FIFA-Statuten sehen vor, dass Nationalverbände ihre Mitgliedschaft zum 31. Dezember kündigen können, sofern die schriftliche Erklärung sechs Monate zuvor, also bis zum 30. Juni, beim FIFA-Generalsekretariat eingereicht wird.

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Source: bild.de

Clara Schmitt ist Sportredakteurin und berichtet über Fußball, Sport und aktuelle Ereignisse.