Rabat: Infantino soll Marokko WM-Finale 2030 versprochen haben

FIFA-Präsident Gianni Infantino soll dem WM-Co-Gastgeber Marokko zugesagt haben, das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2030 auszurichten. Diese Zusage sei an die Bedingung geknüpft, dass Marokko ihn im Machtkampf um das Präsidentenamt unterstützt. Dies berichtet The Times unter Berufung auf anonyme Quellen.
Die FIFA hat auf eine Anfrage der britischen Zeitung nicht reagiert. Infantino hielt in Salé, nahe der marokkanischen Hauptstadt Rabat, eine Krisensitzung mit hochrangigen Mitarbeitern im FIFA-Afrika-Büro ab.
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Druck auf Infantino wächst
Infantino steht nach dem Scheitern seines Plans, WM-Anteile an private Investoren zu verkaufen, unter erheblichem Druck. Berichten zufolge wird von ihm erwartet, dass er von seinem Posten zurücktritt. Er sucht internationale Rückendeckung, um seine Position zu stärken.
Die UEFA, der asiatische Dachverband AFC und der für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständige CONCACAF sollen versuchen, den 56-jährigen Schweizer aus dem Amt zu drängen. Es wird angenommen, dass Afrika Infantino unterstützt. Ein WM-Finale auf afrikanischem Boden könnte dem FIFA-Boss die Stimmen der afrikanischen Verbände für seine angestrebte Wiederwahl sichern.
Infantino möchte sich im Frühjahr 2027 für eine letzte Amtszeit wiederwählen lassen. Bislang gibt es keinen Herausforderer, doch dies könnte sich nach dem Investoren-Debakel ändern. Der FIFA-Kongress, bei dem die 211 FIFA-Mitglieder ihren Präsidenten wählen, findet am 18. März in Rabat, Marokko, statt – auf Wunsch von Infantino.


Marokko als potenzieller Final-Gastgeber
Marokko ist gemeinsam mit Spanien und Portugal Gastgeber der WM in vier Jahren. Drei Spiele sollen in Südamerika stattfinden. Bislang galt das Bernabeu-Stadion in Madrid als Favorit für das Endspiel 2030. Rafael Louzán, Präsident des spanischen Fußball-Verbandes, hatte im Januar erklärt, dass Spanien die führende Nation der WM 2030 sein werde und das Finale dort stattfinden würde.
Seit Infantinos Wahl zum FIFA-Boss ist Marokko ein treuer Unterstützer des Schweizers. Als Gegenleistung erhielt das nordafrikanische Land die Rolle als WM-Gastgeber. Laut Times drängt Marokko darauf, dass das WM-Finale in Casablanca stattfindet. Infantino soll Marokko zugesagt haben, dass Casablanca den Zuschlag erhält.
In Casablanca entsteht für das Turnier das Stade Hassan II, das eine Kapazität von 115.000 Plätzen haben soll. Gegner Infantinos weisen darauf hin, dass eine solche Entscheidung rechtlich nicht bindend sei und von einem möglichen Nachfolger rückgängig gemacht werden könnte.


Krisensitzung in Rabat
Medienberichten zufolge berief FIFA-Boss Gianni Infantino für diesen Mittwoch eine Krisensitzung des Weltverbandes nach Marokko ein. Die britische Zeitung The Times und der englische Sender Sky meldeten, dass der in der Kritik stehende Weltverbandschef wichtige Mitarbeiter zu einem Treffen in die Hauptstadt Rabat beorderte. Die genauen Besprechungsinhalte des Schweizers blieben den Meldungen zufolge unklar.
Infantino hatte zuvor mit Plänen zum Verkauf von WM-Rechten an Investoren für Empörung in der Fußballwelt gesorgt. Obwohl der FIFA-Boss diese Idee später verwarf, formiert sich insbesondere in Europa starker Widerstand gegen ihn. Die aktuelle Krise könnte das Ende von Infantinos FIFA-Präsidentschaft bedeuten.
In den vergangenen Tagen äußerten selbst enge Mitarbeiter Infantinos Kritik an ihrem Chef. FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström beklagte eine „traurige und tadelnswerte Reihe von Ereignissen“ sowie einen „Aufruhr“. Ex-Coach Arsène Wenger, Direktor für die globale Fußballentwicklung bei der FIFA, distanzierte sich von Infantino. Dessen enger Vertrauter und Berater Carlos Cordeiro war bereits in der vorigen Woche aus Protest zurückgetreten.
Rabat ist der regionale Hauptsitz der FIFA für Afrika. Dort finden im Jahr 2027 der 77. FIFA-Kongress sowie die nächsten Präsidentenwahlen statt. In der Hauptstadt des WM-Co-Gastgebers von 2030 war Infantino in der vorigen Woche als Gast von König Mohammed VI. öffentlich aufgetreten.
Der FIFA-Kongress, bei dem die 211 FIFA-Mitglieder ihren Präsidenten wählen, findet am 18. März statt.
Source: n-tv.de